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DEFAULT : Aus unserem Familienalbum
12.04.2012 10:52 (1782 x gelesen)

 
  
Hier, an der Glärnischstrasse 10 in Horgen am Zürichsee, gründete mein Grossvater, Julius Bertschinger-Egolf am 1.Mai 1927 eine Kunst- & Bauschlosserei, zusammen mit einer Bezirksvertretung für Landmaschinen der Firma Bucher-Guyer. Durch meinen Vater, Julius Bertschinger-Frank entwickelte sich der Kleinbetrieb zu einer Metallbau- firma. Hergestellt wurden Schaufensteranlagen, Metalltüren und - ab 1968 - auch Sicherheitsprodukte für Banken. Mir war es schliesslich vergönnt, die prosperierende Firma 1989 zu übernehmen und zu einem über die Landesgrenzen hinaus agierenden Unternehmen im Bereich der Sicherheitstechnik weiter zu entwickeln.
Die Aufnahme datiert von 1925. Vor dem Haus links meine Grossmutter und - man beachte - über dem Haus das Luftschiff "Hindenburg".

Hier einige der fahrbaren "Untersätze" meiner Vorfahren.

TRIUMPH Modell P
 
  
 
Das ist das erste - und einzige - Motorrad meines Grossvaters (links auf dem Bild). Es ist ein Triumph Modell P von 1925, mit dem er später einen schweren Unfall hatte, der ihm sein Gesicht teilweise entstellte. Der Triumph blieb - warscheinlich deshalb - bis heute das einzige Motorrad in unserer Familie. Das Foto, das als Postkarte fungierte, datiert vom 26.9.1930.

Weltwirtschaftskrise zum Ersten:
Man baute Kachelöfen, Kochherde, Grabkreuze und....   ein Schiff. 

  

Die DELICE (franz. für: Genuss, Vergnügen, Freude) entstand 1936-37 in einer von der Weltwirtschaftskrise geprägten Zeit und war quasi "aus der Not" geboren. Sozusagen als Beschäftigungstherapie, weil Aufträge nur spärlich eingingen. Die Spanten sind aus Stabeisen gefertigt, der Rumpf aus Stahlblech getrieben und mit 3000 Nieten befestigt. Auch die Schraube war selbst geschmiedet. Als Antrieb diente ein 6-Zylinder Studebaker Motor mit einem Ford-Reversiergetriebe. Am 3. Juli 1937 erfolgte der Stapellauf. Das stattliche Boot stand später noch viele Jahre im Dienst der Zürcher Seepolizei.

  

Links: die DELICE vor dem Abtransport am 3. Juli 1937. Rechts: Betriebsbewilligung

 

Weltwirtschaftskrise zum Zweiten:
Man gönnte sich ja sonst nichts...      ausser
einem PONTIAC Cabriolet.

Ein Pontiac von 1933 war das erste Automobil meines Grossvaters. Ich denke, er war stolz, ein so vornehmes, amerikanisches Fahrzeug sein Eigen nennen zu dürfen. Gekauft hat er den - natürlich Gebrauchten - von seinem Nachbarn, einem Mitglied der Zürcher Regierung. Dieses beigefarbene Viktoria-Cabriolet mit der Fahrgestell-Nummer 796815-P8 wurde - wie wir heute wissen - beim Luzerner Carrossier A. Ruckstuhl (1925-38) hergestellt und durch die Zürcher Titan AG geliefert. Preis: 14'500 Schweizer Franken. Die Prüfung und Zulassung erfolgte am 1. November 1933. Zur Motorisierung diente der damals neuentwickelte "Straight Eight" 8-Zylinder-Reihenmotor mit 3,8 Lt. Hubraum und 77 PS, was eine für damalige Verhältnisse beachtliche (Höchst-)Geschwindigkeit von 120 km/Std. erlaubte.

   
 
Die weissen Mützen und das Autokennzeichen ZH 26999 sind noch heute in meinem Besitz. Der Wagen leider nicht...


 
....und einem PLYMOUTH P8.

  

   

Dem Pontiac folgte dann ein 1939er Plymouth Convertible P8. Ende der 40er Jahre wurde er auch als Werkstattwagen benutzt und hatte deshalb ein abnehmbares grosses Dachgestell, das vorne und hinten an den Stossstangen befestigt und über das ganze Auto reichte. Unter der Haube arbeitete ein 3,3 Lt. 6-Zylindermotor.


 

1950 - 1956: BMW 340-0  
 

 
Ein BMW 340-0 mit der Chassis- und Motornummer 26800 folgte 1950. Die 340er waren Nachfolger des BMW 327 und dieses Fahrzeug eines der ersten 2500 Exemplare, die - gebaut im damals unter sowjetischer Besatzung stehenden Werk Eisenach - als Devisenbringer in den Westen (vorwiegend Schweiz und Finnland) verkauft wurden. Es war noch ein richtiger BMW mit blau/weissem Emblem, einem Speichenlenkrad, Standheizung und ausstellbaren Frontfenstern. Als Antrieb diente ein 2-Liter-6-Zylindermotor mit 55 PS Leistung. Ich erinnere mich noch sehr gut an die Zeit, als ich als kleiner Bub hinten im Fond stand, mich an den verchromten Rohren der beiden Vordersitze festhielt und meinem Grossvater beim Fahren zuschaute. Bild unten: Meine Mutter (rechts) mit Freunden. Aufgenommen an Ostern 1953.

 

1954 - 1960: PONTIAC Silver Streak. Das "Amifass".

 
  
 
1954 schaffte sich Grossvater dann seinen zweiten Pontiac an, einen Silver Streak aus Schweizer Produktion, wo 1951 insgesamt 180 Wagen dieses Typs montiert wurden. Kleines Bild: Produktion der Pontiacs im GM-Montagewerk in Biel. Alle in der Schweiz montierten Fahrzeuge erhielten deshalb die (Zusatz-)Bezeichnung   "Montage Suisse" (Quelle: SwissCarRegister)


 
1953 - 1954: PLYMOUTH Cranbrook

Ein brauner Plymouth Cranbrook Four Door Sedan von 1953 war der erste Neuwagen meines Vaters und perfekt für seine 5-köpfige Familie. Ein Frontalzusammenstoss mit einem VW Kastenwagen forderte ein Jahr später Rippenbrüche und Knieverletzungen, denn damals gab es noch keine Gurten und Knautschzonen. Die Armaturenbretter waren aus Stahlblech und nicht gepolstert. Dem VW-Fahrer erging es wesentlich schlechter, denn die Fahrerkabine war vollständig eingedrückt.

 
 

1954 - 1964: FORD Customline Cuntry, genannt "der Frühling".



Meine Mutter im trendigen 50er Jahre-Look neben dem Ford Customline Country Sedan. Wenn die "Family" jeweils Sonntags eine Ausfahrt machte, sass ich kleiner Knirps dann im aufklappbaren Notsitz zuhinterst im "Laderaum" und konnte durch die Heckscheibe den nachfolgenden Autos zuschauen und ihnen zuwinken.
 

 
 

1964 - 1988: Kaiser JEEP Wagoneer. Unkaputtbar !

Am Genfer Autosalon 1964 entdeckte mein Vater einen Geländewagen, der in seiner Art damals einmalig war. Ein Kaiser-JEEP Wagoneer. Der Urahn der heutigen SUV wurde 1963 lanciert, 7 Jahre bevor Land Rover mit dem Range Rover etwas Ähnliches anbot. Servolenkung und ein zuschaltbarer Allradantrieb waren damals zukunftsweisend. Mit der Untersetzung war kein Hang zu steil und keine Schneemade zu hoch. In den 60er Jahren waren die Winter auch im Unterland noch hart, lang und kalt (die "Seegfrörni", also der komplett vereiste Zürichsee 1963 ist Beweis dafür) und der Schnee lag zeitweise meterhoch. Das war für den Jeep "no problem" und es machte natürlich auch viel Spass zuzuschauen, wenn andere Verkehrsteilnehmer im Schnee stecken blieben. 1976 wurde er durch das damals aktuelle, modifizierte Modell ersetzt. Der Marke JEEP sind wir bis heute treu geblieben.  
 


1960 - 1973: ALFA ROMEO 2000 Berlina (Typ 102.00)

  

Die Ära Alfa Romeo in unserer Familie begann mit der 2000 Berlina meines Grossvaters. Es war eine rote, stattliche 6-Plätzer-Limousine mit dem bewährten, etwas modernisierten 4-Zylindermotor des Vorgängertyps 1900 und mit nunmehr 1975 ccm und 105 PS. Sie war sein erster und - altershalber - letzter Alfa.



 

1962 - 1974: ALFA ROMEO 2000-S Vignale (Typ 102.02)

Grossvaters Begeisterung an sportlichen italienischen Autos ging auch auf meinen Vater über. Sein erster Alfa Romeo war ein dunkelgraues, sehr elegantes Coupé mit Echtleder-Interieur, das - so erfuhren wir erst viele Jahre später - am Genfer Autosalon 1959 vom Turiner Carrossier Vignale vorgestellt wurde. Das Design stammt - wie fast alle Vignale-Kreationen - von Giovanni Michelotti. Der "Schwarze", wie er innerfamiliär genannt wurde, entstand 1958 als Prototyp einer kleinen Stückzahl, die in z.T. stark abgeänderter Form auf dem Chassis des Touring-Spider gebaut wurden. Der Typ 102, zu dem nebst der Berlina, dem Spider und dem Sprint auch der Vignale zählt, sollten vom lange erwarteten 2,6 Liter-6-Zylindermotor angetrieben werden. Stattdessen erhielt diese Modellreihe noch den "alten" 4-Zylinder mit 1975 ccm Hubraum und 105 bzw. 115 PS.
Meine ersten "Geh- bzw. Fahrversuche" fanden mit diesem Auto statt. Von 1972-74 durfte ich den Vignale selbst fahren, wie die nachfolgende Aufnahme aus dem Jahr 1973 dokumentiert. 
 

  

Genfer Autosalon März 1959 (Foto: National Motor Museum, Beaulieu). 


 
1966 - 1990: ALFA ROMEO 2600 SZ. (Typ 106.12)

1966 kam dann ein silbergrauer 2600 Zagato dazu. Mit der Chassis-Nummer *026 war er - nach einigen Prototypen - das 21. Produktionsfahrzeug von insgesamt 105 gebauten Exemplaren. Der Alu-6-Zylinder-Reihenmotor mit 2584 ccm Hubraum leistet 165 PS. Auf der damals neu erstellten, noch autofreien Autobahn Zürich-Bern brachen wir an einem Sonntagmorgen die "Schallgrenze" von über 200 km/h ! Neben dem Wagen steht der damals 13-jährige Max. Wenn man(n) da nicht zum Alfista wird.....

Meine eigenen Autos.


1974 - 1976: ALFA ROMEO 1750 GT Veloce.


Ein 1750 GT Veloce, Jahrgang 1969 in Verde pino und braunem Interieur. Da mussten natürlich WOLFRACE-Felgen und Breitreifen dran... und ein gelb lackierter Oelwannenschutz... und Frontschürzen vom Alfetta... und, und, und. 

1976 - 1977: ALFA ROMEO 2000 GTV.

Mit diesem Alfa hatte ich leider nur Pech und ein halbes Vermögen für Reparaturen ausgegeben. Der grösste Fehler war, dass ich den 1750er dafür hergegeben habe. Während meines Studiums konnte ich mir das nicht mehr leisten, weshalb mir meine damalige Freundin (und heutige Ehefrau) einen fabrikneuen MAZDA 323 kaufte. Wie heisst doch das Sprichwort: Einem geschenkten Gaul....

1988 - 1990: ALFA ROMEO 75 3,0 America.

Eigentlich schade. Den 75 America hätte ich vielleicht noch heute, wenn....  Ja wenn meiner Frau nicht dauernd übel geworden wäre darin. Vielleicht hat sie das ja nur vorgetäuscht, denn gefallen hat ihr das Auto überhaupt nicht. Also wurde er wieder verkauft. Was macht man(n) nicht alles, um geliebt zu werden!


 
1990 - 1993: PONTIAC TRANS SPORT SE

Pontiac brachte zur gleichen Zeit den futuristisch anmutenden Trans Sport heraus. Das war kein Auto, sondern der Vorgänger des Space Shuttle! 7 Plätze und enorm viel Stauraum. Mit dem 3,2 Liter Sechszylinder "Raumgleiter" mit Kunststoff-verkleideter, windschlüpfriger Karrosserie erregte man mächtig Aufsehen. Das Bild stammt aus dem Internet in Ermangelung eigener Fotos.

1990 - 1996: ALFA ROMEO 164 3,0 V6.

Mein Vater kaufte sich derweil - nach einem kurzen Debut mit einem Alfa 90 und einem 33er 1.7 i.e. Sportwagon - seinen letzten Alfa Romeo, einen 164er 3,0 V6. Seine Attribute: Grosszügig, bequem, durchzugsstark. Und eine Design-Ikone dazu! 1993 übernahm ich den Wagen. Die Farben: Oben silber, unten dunkelgrau. Interieur: Dunkelblauer Stoff. Das Bild stammt ebenfalls aus dem Internet in Ermangelung eigener Fotos.

1997 - 2003: ALFA ROMEO GTV 2.0 V6 TB.


 

Dieses rassige Coupé von Pininfarina ist schon heute ein Klassiker. Und ein Wolf im Schafspelz. Sein Zweiliter Sechszylinder mit Turbobooster beschleunigt den Wagen schon ab 2400 U/Min und mit annähernd 300 Nm. 2003 verkaufte ich ihn an einen jungen Alfista, der ihn - wie ich - hegte und pflegte. Seit 2013 steht er wieder in meiner Garage.


 


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